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Mount Everest: Base Camp

Nach einigen stressigen Wochen in Indien, beschloss ich, in die ruhige Bergwelt Nepals zu fliehen. Schon Wochen vorher stellte sich auch mir (wie den meisten Nepal-Treckern) die Frage: Annapurna oder Everest Base Camp, denn für beide war leider nicht genug Zeit übrig. Nach intensiver Recherche in einigen Trekkerforen (zum Beispiel bei couchsurfing.org), kam ich zu dem nicht sehr hilfreichen Resultat, dass beide Treks absolut lohnenswert sind und man wohl oder übel einfach nochmal nach Nepal zurück kehren müsse… Für´s erste siegte aber der Name, denn was klingt bitte cooler, als zu erzählen: „…ach und diesen Sommer war ich beim Base Camp des höchstens Bergs der Welt.“? Und was soll ich sagen, ich hab keinen der insgesamt 15 Tage in den Bergen bereuen müssen, sondern blicke zurück auf zwei Wochen voller atemberaubender Landschaften, herzergreifenden Begegnungen mit Einheimischen, anstrengenden Anstiegen und Pass-Überquerungen und hunderten Fotos des höchsten Bergs der Welt!


Vorab – mit Guide oder ohne Guide, das ist hier die Frage!
Eine Frage, die natürlich auch mir in den Sinn kam, angesichts der großen Höhenunterschiede, der Länge des Trecks und der Tatsache, dass im Internet eher Informationsarmut herrscht. Letztendlich wurde mir die Entscheidung abgenommen, weil schlicht und einfach nicht genug Geld für eine komplett organisierte Tour oder einen Porter/Guide (meist ein und dieselbe Person) vorhanden war. Über´s Internet (wieder CS) konnte ich einen Mit-Trekker finden, und machte mir deswegen weniger Sorgen, ohne Guide los zuziehen. Im Nachhinein kann ich versichern, auch komplett alleine wäre der reine Weg zum EBC (ohne Umwege über Gokyo mit Passüberquerung) kein Problem gewesen. Mai ist nicht gerade High Season in der Region und trotzdem haben wir immer auch andere Trekker getroffen, mit denen man sich austauschen konnte. Nette Guides von anderen Truppen oder auch Hüttenbesitzer geben einem genügend hilfreiche Tipps, was die Route, Unterkünfte und mögliche Gefahren anbetrifft. Über die Höhenkrankheit liest man an jedem dritten Baum Informationen und wird auch zu diesem Thema von anderen Trekkern, deren Guides usw. gewarnt/ informiert. Wir wählten den kleinen Umweg über die Gokyo- Valley, der mit sich brachte, dass wir den Cho La Pass überqueren mussten (man kann auch die Valley wieder runter laufen und dann außen -rum, dauert aber bestimmt drei Tage länger). Dieser Pass sollte nicht (vor allem nicht bei Schnee) ohne Guide passiert werden. Wir schlossen uns einer Gruppe mit Guide an, ohne die wir sicherlich kläglich im Schnee verloren gegangen wären, denn im frischen Schnee ist der Weg nicht zu erahnen und am Hang sind wir oft nur durch die Fähigkeiten des Guides einigen Schneelawinen entkommen. Ansonsten ist es zwar beschwerlich, das ganze Gepäck allein zu tragen, aber wie gesagt, durchaus machbar, denn die Hauptstrecke zum EBC ist wirklich einfach zu finden und immer gut gekennzeichnet.Wer also eine durchschnittlich gute Kondition mitbringt, eine detaillierte Karte (in Kathmandu zu kaufen) und sich an die wirklich gut gemeinten Ratschläge zum Thema Höhenkrankheit hält, sollte keine Schwierigkeiten haben. In der High Season sollte man sich aber vorher um die Reservierung von Hüttenschlafplätzen kümmern (vor allem in kleinen Orten wie Gorak Shep kann es in den paar vorhandenen Hütten schon mal eng werden). Wer keine Lust hat, sein Gepäck selbst zu tragen, muss sich aber nicht direkt einer organisierten Tour anschließen, sondern kann sich in Kathmandu auch einen unabhängigen (aber lizenzierten) Guide/Porter suchen. Erfahrungsgemäß sind diese Guides sehr nette, hilfsbereite Menschen, mit denen es auch mal Spaß macht, am Abend zusammen am Feuer zu sitzen und sich Geschichten von vergangenen Everest-Abenteuern anzuhören.
Ankunft in Kathmandu und Organisation
Innerhalb eines Tages war in Kathmandu alles organisiert. Den Flug nach Lukla kann bei jeder Agency buchen, den Pass für den Nationalpark muss man (mit Passbildern, die man zur Not auch noch schnell in Kathmandu machen lassen kann) gegen eine geringe Gebühr in einem öffentlichen Amt direkt in Kathmandu beantragen (Registration Card for Individual Trekkers, 20US-Dollar). Das Amt hat nur bis nachmittags geöffnet, das Beantragen des Passes dauert kaum länger als eine Stunde (gut ist es, die Route im Kopf zu haben, denn die muss man grob angeben). Da ich vorher nur im warmen Indien unterwegs war, musste ich mich noch in Thamel (Backpackerviertel von Kathmandu) mit warmer Kleidung eindecken, sprich gutes Schuhwerk, eine lange Hose, Mütze, Handschuhe, dicke Jacke usw. . Die kleinen Outdoorgeschäfte, die sich in Thamel aneinander reihen, sind das reinste Paradies für Outdoorfans, vor allem zu wirklich erschwinglichen Preisen. Handeln funktioniert übrigens auch hier sehr gut! Hier eine Liste mit Dingen, die nicht fehlen sollten:

  • Rucksack (35 + 15L) (meiner war ca. 8kg schwer, mehr hätte ich nicht tragen wollen)
  • lange Thermohose
  • kurze Hose
  • dreilagige Oberkörperbekleidung (oft wechselt das Wetter sehr schnell von kalt, zu sonnig und warm)
  • guter Regenschutz
  • Mütze, Handschuhe, Universaltuch
  • Taschenlampe (oft muss man zur Toilette im Dunkeln raus laufen)
  • Schlafsack
  • gute, bequeme Schuhe
  • genügend Bargeld!!! (am besten in Kathmandu schon besorgen, in Lukla und Namche Bazaar gibt es zwar auch noch die Möglichkeit mit der Kreditkarte Bargeld abzuheben, aber natürlich mit deutlichem Aufschlag)
  • Trinkbehälter (Thermosflasche, für diejenigen, die gerne einen warmen Tee dabei haben)
  • ein paar Powerriegel, Schokoriegel (je nach Geschmack, solche Sachen sind oben sehr teuer)
  • Lesestoff / Kartenspiel/ Schach(die Nachmittage und Abende am Feuer sind laaaang)
  • Kamera mit genügend Akku und Speicherplatz (nicht überall hat man die Möglichkeit, problemlos den Akku aufzuladen)
  • (Wanderstöcke – für die Leute, die zum Beispiel beim Abstieg nicht so sicher sind)
  • Flug nach Lukla (2670m) – Tag 1

Der nationale Flughafen in Kathmandu erinnert eher an eine überfüllte Markthalle, als an einen Flughafen und die kleine 16-Sitzer-Chessna, die einen dann zum Startpunkt des Trecks bringen soll, macht auf den ersten Blick auch einen nicht ganz vertrauenswürdigen Eindruck. Aber was soll ich sagen, der Flug nach Lukla war ein unbeschreibliches Erlebnis und selbst wenn man genug Zeit hat, um den kompletten Weg zu laufen, sollte man sich diese Landung auf dieser wirklich unglaublich kurzen Landebahn nicht entgehen lassen. Außer man hat schrecklich Flugangst. Sitzt man in der ersten Reihe kann man gespannt die Arbeit der selbstsicheren Piloten beobachten, die haarscharf an Bergspitzen vorbei fliegen und das Ding landen, als würde die Landebahn nicht schon nach einigen Metern mitten im Bergmassiv enden. Blickt man dann nach hinten, sieht man entweder ähnlich freudig erregte Gesichert, oder aber leichenblasse, schockierte Blicke. Wer Flugangst hat, sollte sich lieber vorher keine Videos von diesem Flug bei YouTube angucken.

Sobald man aus dem Flugzeug aussteigt, merkt man nicht nur die kalte, frische Bergluft, sondern auch jetzt schon den deutlichen Höhenunterschied. Brav folgten wir unseren ersten Hinweisen und boten unseren Körpern bei einem ordentlichen Frühstück in einem der vielen Restaurants, die Möglichkeit der Akklimatisierung. Aber was soll ich sagen, beim Blick aus dem Fenster auf diese atemberaubende Bergkulisse, hielt es mich nicht lange im Inneren. Die Rucksäcke aufgesetzt liefen wir los, über riesige Hängebrücken, durch Kieferwälder, an hellblauen und glasklaren Flussläufen entlang. Zwischendurch wird gestoppt, um auszuruhen, die Aussicht zu genießen oder mit anderen Trekkern zu plaudern. Abends trifft man sich dann in einer der vielen Hütten am Kaminfeuer der Aufenthaltsräume, um sich zu wärmen, zu essen und Kraft zu schöpfen für den nächsten Tag. In der Nacht wird es hier oben bitterkalt, da tut man gut dran, einen dicken Schlafsack dabei zu haben und die von den Hütten gestellten Decken zu nutzen. Fast überall kann man gegen einen relativ hohen Preis eine warme Dusche bekommen… Da wir das volle Abenteuer erleben wollten, sparte ich mir die warme Dusche für den Abstieg auf und begnügte mich mit einer Eisdusche vor dem Schlafen gehen, mit langen Haaren wahrlich keine gute Idee.

Namche Bazaar (3440m) – Tag 2 und 3
Je nachdem, wo man die erste Nacht verbringt, liegt ein anstrengendes Stück Weg bis nach Namche Bazaar vor einem. Mindestens 600 Höhenmeter müssen überwunden werden. Noch voller Elan und Motivation, meisterten wir diesen Höhenunterschied in einer offensichtlich viel zu kurzen Zeit. Ich bekam am Abend schon schlimme Kopfschmerzen und verbrachte den Rest des Abends schlafend. Am nächsten Tag ging´s dann aber schon viel besser und ich konnte endlich das herrliche Treiben von Namche Bazaar genießen. Dieser Ort dient den „wahren“ Everest Besteigern als Base, wenn sie nach wochenlangem Warten auf optimale Wetterbedingungen am Base Camp ihre Vorräte auffüllen möchten. Und das kann man hier. In unzähligen Outdoorgeschäften und Kiosks gibt es alles, was das Herz begehrt. Auch die Auswahl an Hotels ist riesig, inklusive tollem Essen, heißer Dusche und nebenbei einer wundervollen Aussicht auf die umliegende Bergwelt. Absoluter Geheimtipp hier ist die „Khumbu Lodge“. Diese Lodge ist einer der ersten Lodges, die in Namche gebaut wurde und bei dem Anblick der Fotos von berühmten Menschen, die hier schon geschlafen haben, gibt es direkt wieder Gänsehaut—Feeling (zum Beispiel der amerikanische Präsident Jimmy Carter). Auch in Namche folgten wir wieder den Tipps einiger Guides und Hotelbesitzern, zwei Nächte zu bleiben, um besser zu akklimatisieren.Wir machten also am dritten Tag nur einen relativ kurzen Ausflug zum Hotel Everest View aus 3880m um dann wieder abzusteigen und noch eine Nacht in NB zu verbringen. Am Abend kann man hier übrigens in eine Bar mit einzigartigen Flair einkehren, um sich mit anderen Trekkern auszutauschen. Zwei mal die Woche werden Filme über Everest-Besteigungen zum Beispiel „Everest“ gezeigt.

Porthse Tenga (3600m) – Tag 4
Unser vierter Trekking- Tag führte uns in eine kleine, verlassene Hütte in Porthse Tenga. Auf dem Weg hielten wir in Mong (4000m), um dort eine Mittagsstärkung zu uns zu nehmen. Gerade rechtzeitig kamen wir vor einem großem Regensturm an der Hütte in Porthe Tenga vorbei, die direkt am Wegesrand liegt. Die Lage ist nicht besonders aufregend (wer schöne Aussicht möchte, sollte lieber in Mong bleiben), aber da wir eh fast im Dunkeln ankamen, war es völlig in Ordnung. Die Hüttenbesitzer waren sehr nett und das Essen gut. Die Sanitäranlagen liegen außerhalb des Hauses, was mir den Blick auf einen sternenklaren, unfassbaren Nachthimmel bescherte.

Dole (4100m) – Tag 5

Aufstieg nach Dole. Nach einigen Tagen in der Bergluft, merkt man doch, dass der Körper sich langsam an den fehlenden Sauerstoff in der Luft gewöhnt. Der erste Tag auch, an dem ich endlich zu spüren bekam, was alle meinten, als sie sagten, die Tage wären ganz schön lang. Da man immer nur 500-600 Höhenmeter pro Tag machen sollte, um nicht an der Höhenkrankheit zu leiden, kommt man meist schon gegen Mittag im nächsten Ort an. Da kann man dann zwar vor der Hütte in der Sonne sitzen, Tee trinken, lesen und die Aussicht genießen, aber auf Dauer hat man wirklich viel Zeit. Uns wurde davon abgeraten, am Nachmittag zu schlafen, weil der Schlaf durch die Höhenluft und Kälte sowieso unruhiger werden würde (manche Trekker erzählten, dass sie mehrere Nächte gar nicht schlafen konnten oder sogar schlimme Alpträume hatten).
Ich nutzte die Nachmittage als oft, um endlich mal ohne schweres Gepäck ein paar kleine Ausflüge zu machen (das kann man von Dole aus prima machen). Durch ein Aufsteigen und anschließendes Übernachten auf einer geringeren Höhe wird der Körper übrigens noch besser an die Höhe angepasst.

Machchermo (4470m) – Tag 6

Ein weiterer Zwischenstopp auf dem Weg nach Gokyo. Hier findet man viele Lodges und trifft auf mehr Trekker als vorher.

Gokyo (4800m)/ Gokyo Ri (5500m) – Tag 7 und 8

Vorbei an Mondlandschaften und skurrilen Bergseen (die ersten beiden Seen), kamen wir endlich in Gokyo am dritten See an. In Gokyo angekommen kann man noch wunderbare Halbtagestouren zu den weiteren Seen oder einen Aussichtspunkt zum Gletscher machen. Auch hier in Gokyo gibt es tolle Lodges, mit netten Nepalesen und gutem Essen (man wundert sich wirklich, wie toll ausgestattet diese Häuser so fernab jeglicher Zivilisation sind).
Am nächsten Tag ging es dann schon um drei Uhr früh auf den Gokyo Ri, ein ganz schön anstrengender Aufstieg, angesichts der Uhrzeit. Wie das in der Bergwelt so ist, wechselte das Wetter alle 30 Minuten. Beim Start sternenklarer Himmel, plötzlich Nebel, Sturm, Gewitter… Die Motivation schwand mit der Aussicht, keine Aussicht zu haben. Denn Sinn dieser Gipfelbesteigung ist die Aussicht auf den Everest bei Sonnenaufgang… Die Sonne war schon lange aufgegangen, da saßen wir noch bibbernd in einer kleinen Felsnische und hofften darauf, dass das Wetter irgendwann noch aufklären würden, bestenfalls bevor wir drei Finger an die Kälte verlieren würden. Wir wurden belohnt, mit einer unsagbar schönen Aussicht, nicht nur auf den Everest, sondern auch auf Bergseen, dessen blau man gar nicht beschreiben kann und den Gletscher, der den Anfang des Cho La Pass darstellt. Absolutes Muss, wenn man in Gokyo ist!

Cho La Pass – Tangnak (4700m) – Dzonglah (4900m) – Tag 9 und 10

Der Anfang des Cho La Pass scheint berühmt berüchtigt zu sein. Jeder zweite warnte uns, bloß nicht allein zu gehen und wir trafen sogar Trekker, die wieder kehrt gemacht hatten, weil sie schlicht und einfach nicht den richtigen Weg über den Gletscher finden konnten. Offensichtlich war das größte Problem, dass der Weg sich vor kurzem geändert hatte (der Gletscher ist ja immerzu in Bewegung, neue Gletscherspalten und -seen kommen hinzu, deswegen muss immer wieder ein geeigneter Weg zum Überqueren gefunden werden). Wir schlossen uns also einer anderen Gruppe mit Guide an, um überhaupt bis nach Tangnak zu finden.

Wiedermal blieb mir der Mund während des Laufens offen stehen, weil diese Landschaft einfach unvergleichbar ist. Wäre ein kleiner Mondmensch mit Raumanzug vor mir hergehüpft, hätte ich mich sicher nicht gewundert. Das immer währende Knirschen und Knarren des Gletschers ist ein abenteuerliches Geräusch und an den Seiten des Gletschers muss man aufpassen, dass man nicht von herab fallenden Gletscher- Steinen erschlagen wird (kein Witz, wir wurden angehalten immer zügig weiter zu gehen und darauf zu achten, ob vielleicht ein Stein geflogen komm. Ein paar Tage vorher, war ein wenig weiter unten ein Trekker von einem Stein erschlagen worden.)

Am Abend bereiteten wir uns also gerade mental auf den nächsten Tag vor, als es plötzlich (wie gesagt, in den Bergen wundert mich nichts mehr) anfing zu schneien. Und wenn wir uns vorher über den Cho La Pass informierten, gab es eine immer wieder kehrende Warnung: „Geht nicht über den Cho La Pass, wenn es schneit.“ Es blieb also die Möglichkeit, das Tal zurück zu gehen und dabei drei Tage „zu verlieren“, oder dem Wetter zu trotzen! Wir beschlossen, uns nach den großen Gruppen zu richten, deren Guides am folgenden Morgen entschlossen, dass der Pass begehbar sei. Wir machten uns also auch in den frühen Morgenstunden (um 5 Uhr früh, weil es am Nachmittag zu gefährlich werden würden, wegen schmelzenden Gletschern, Steinschlägen und Lawinen) auf, angefangen mit einem stetigen Aufstieg, über riesige Felsabschnitte bis zum letzten, schneebedeckten Abhang, an dem man jede Minute bangt, nicht von einer herab kommenden Schneelawine bedeckt zu werden. Oder einfach auf einer losen Schneeschicht wieder zurück zu rutschen, um dann mühsame Schritte nochmal machen zu müssen. Ist man dann endlich am höchsten Punkt des Passes (5387m) angekommen, wird man wieder einmal mit einer (falls es das Wetter zulässt) unglaublichen Aussicht belohnt.

Der Abstieg nach Dzonglah ist nicht weniger beschwerlich, die Felsen sind durch den Schnee sehr rutschig, links und rechts geht es teilweise metertief hinab, zugefrorene Gletscherseen würden einen in der Tiefe erwarten. Die eher spartanisch eingerichtete Hütte in Dzonglah gibt einem das erst Mal auf dem Trek das Gefühl, in einer wirklich abgelegenen Bergwelt, fernab der Zivilisation zu sein. Die Doppelzimmer waren schon ausgebucht, also nimmt man mit 20 anderen Personen auf zwei Hochbettebenen platz, zur Toilette muss man in Eiseskälte übers Feld zum Plumpsklo laufen. Der ungünstigste Zeitpunkt übrigens, um sich eine Durchfallerkrankung anzulachen. Trotz, oder gerade wegen der vergleichsweise nicht so luxuriösen Unterkunft, sitzen alle am Abend noch lange zusammen und besprechen den Trek. Für mich war die Passüberquerung einer der absoluten Highlights der ganzen zwei Wochen!

Gorak Shep (5140m) – Tag 11

Über Lobuche machten wir uns auf den Weg zum Startpunkt vom Base Camp Trek und den Aufstieg zum Kala Pathar. Auf dieser Höhe merkt man nun wirklich langsam den abfallenden Sauerstoff- Gehalt der Luft. Misst man hier mit einem Pulsoxymeter den Sauerstoffgehalt des Blutes, kommen dabei spärliche 80% raus. Ein Zustand, bei dem jeder Arzt in Deutschland die Sauerstoffflasche auspacken würde. Der Körper ist zum Glück in der Lage, durch die Bildung von mehr Erythrozyten, diesen Mangel auszugleichen. Deswegen ist es so wichtig, dem Körper beim Aufstieg genug Zeit zu geben und vor allem auf alle Signale des Körpers zu hören, und notfalls auch mal einen Tag länger zu pausieren. Was bei der Landschaft und Umgebung auch kein allzu schweres Los ist. Während der zwei Wochen erlebten wir mehrere Male, dass Trekker auf dem Weg zum Base Camp notfallmäßig ausgeflogen werden mussten.

Base Camp (5365m) – Tag 12
Nach den ganzen Anstrengungen der letzten Tage, glaubt man eigentlich, es könnte nicht mehr viel anstrengender werden. Aber auch der vergleichsweise kurze Weg von Gorak Shep zum Base Camp kann ganz schön mühsam und lang sein. Aber auch hier lohnt sich wieder jeder schmerzhafte Schritt. Die Atmosphäre am Base Camp ist einfach unbeschreiblich. Überall laufen geschäftige Menschen umher, die entweder gerade vom Everest (!!!) wieder kommen, oder eine Besteigung vorbereiten. Diese Leute verbringen im Schnitt zehn Wochen in diesen Höhen, mit Vorbereitung usw. Auf die Frage hin, wie es denn auf dem Everest war, sagte ein sportlicher Mann in seinen 50igern nur: „Kalt!“.

Im Emergency Zelt durften wir mit einer Ärztin reden, die uns erzählte, welche Fälle sie üblicherweise in den letzten drei Monaten behandeln musste (an der Höhenkrankheit erkranken übrigens meistens nur die „normalen“ Trekker, die nur bis zum Base Camp laufen). Wegen der schmelzenden Gletscher musste das Base Camp in den letzten Jahren öfter verschoben werden. Jetzt liegt es fast direkt am Start jeder Everest Besteigung, dem Ice Fall. Vom Camp aus kann man noch kleine, schwarze Punkte erkennen, die sich ihren Weg über den Ice Fall bahnen. Ein kleiner Buchtipp am Rande, für die langen Nachmittage: „Into thin Air“ von Jon Krakauer, erzählt von der katastrophalen Besteigung des Everest 1997, bei der mehrere Menschen in einem Schneesturm ums Leben kamen. Viele Orte entdeckt man selbst wieder.

Kala Pathar (5560m), Periche (4200) – Tag 13
Ein ganz schön anstrengender und langer Tag mit einem Höhenunterschied von über 1300m. In aller Herrgottsfrüh ging es wieder los, um den Kala Pathar beim Sonnenaufgang zu besteigen. Eineinhalb Stunden lang geht über der Bergkette rechts die Sonne auf. Am Gipfel angekommen, kann man gar nicht genug bekommen von der tollen Aussicht, es werden aus jedem möglichen Winkel Fotos geschossen, die letzten Tage in den Bergen gehen einem nochmal durch den Kopf, ein einfach ganz besonderer Ort!

Zurück in Gorak Shep gönnten wir uns noch ein reichhaltige Frühstück um genug Kraft für den restlichen Tag zu tanken. Wir schafften es in fünf Stunden bis nach Periche zu kommen und was soll man sagen, auf über tausend Meter weiter unten fällt das Atmen schon deutlich leichter.
Am Abend sprach ich noch mit einem 71jährigen Japaner, der gerade vom Everest zurück kam und momentan das Ziel verfolgt, die sieben höchsten Gipfel der sieben Kontinente zu erklimmen. Da fragt man sich mit seinen 25 Jahren, worüber man sich die letzten zwei Wochen eigentlich beschwert hat. Ich fragte mich an so Abenden oft, was zwischen mir und einer erfolgreichen Everest-Besteigung liegen würde und nach viel Rechnerei sind es nur 20.000 US- Dollar, genügend Zeit und viel viel Training. Das Geld stellt dabei die größte Hürde dar.

Namche Bazaar (3460m) – Tag 14

Innerhalb von sechs Stunden schafften wir es zurück nach Namche. Da der Abstieg wirklich leicht fällt, kann man diese Tage gut nutzen, um auch mal etwas länger zu laufen. Und wir freuten uns sehr, die vertrauten Gesichter der Kumbu Lodge zu sehen und endlich wieder eine warme Dusche zu genießen.

Lukla (2800m) und Rückflug nach Kathmandu, Tag 15 und 16

Die letzte Nacht verbrachten wir in einer lustigen Bar in Lukla und am letzten Tag kann man sich das Warten auf den Rückflug nach Kathmandu im wohl höchsten Sturbucks der Welt mit heißen Getränken und einer recht flotten Internetverbindung versüßen.
Mount Everest Basecamp Fotos

6 thoughts on “Mount Everest: Base Camp

  1. trekking guide and tour Operator nepal

    This year at the end of february i went in Nepal for 18 days for the second time and i did a small trekking in the Annapurna region, I went to visit Pokhara, Kathmandu, Bakthapur and Nagarkot and I saw the National Park of Chitwan and in this trip I had the pleasure to meet Sanjib Adhikari. He is an independent trekking guide and tour operator in Nepal and he has already obtained trekking guide license from the ministry of tourism, government of Nepal. In his work Sanjib Adhikari is a person very responsible and serious, very helpful and attentive to his customers, he knows very well the mountain because he has many years of experience and is also an excellent guide for visiting the cities, the best thing for me is that he loves his country very much and loves his work and always manages to convey all his enthusiasm with simple ways and always with the smile. Sanjib is also a very funny person and after this experience we became a very good friend.

  2. Nepal Mountain Guides

    Hi!

    I went to Everest Base Camp and was going to Annapurna this past April/May. I can tell you that I found good prices in Kathmandu. I went shopping with my guide though and he seemed to get good deals. I think he rents-out sleeping bags.
    You can get them in Pokhara too, but you will find a bigger selection in Thamel. this means you can get better deals and will be able to talk them down on the price. It is a Nepali custom (I read in a guide) to bargain. It is fun. You will have no problems wih the weight on the plane. My bag was a bit big, I have a hard time traveling light.
    I did hire a guide and he took care of hiring a porter. He works with trusted people. I can recommend my guide. He was knowledgeable, friendly, and most of all looked-out for my safety. He seemed to know just about everyone in Kathmandu and many, many guides and people on the mountain. Because Sanjib knows so many people he was constantly getting updates from up the mountain, or down the mountain. It was great to travel with a guide that has so many established relationships. I found him by chance through a travel forum and then got references from him. That is, I emailed past clients. In no time, I received emails from Italy, Germany and the U.S. singing this guy’s praises, so that is how I went about finding my guide. I found the price very reasonable and I liked the fact that you do not pay until you get there, so you avoid the big down payments and the advance payments as well. I was happy to travel solo. Traveling in a group is great, but for sure, you will not get personalized attention. You can meet a lot of people at the tea houses, or as you go along the trek you will become familiar with others “going your way.” You can contact Sanjib Adhikari at sanjib-adhikari@hotmail.com.

  3. max

    hi,

    ich würd gern eine ähnliche oder sogar die selbe tour machen wie ihr. was hat euch das ganze denn gekostet? würde es gerne auf meinem hinweg nach bangkok machen. wie genau soll ich dann am besten anreisen? werd wohl nur im sommersemester zeit haben (ca juni-septemer), wobei das nicht grad die beste reisezeit ist oder? antwort per email wär super, vielen dank schonmal 🙂

    max

  4. Markus

    Hallo!
    Die Route klingt super!
    Ich werde in kürze auch in Nepal sein und hab mal ne Frage an dich: Braucht man im Everest Base Camp sein eigenes Zelt oder gibt es dort auch Unterkünfte?

    Beste Grüße

    Markus

  5. Everest base camp trekking

    Everest BasisLager

    Der Everest Basis Lager Treck ist einer der populärsten Trecks überhaupt. Dieser Treck hat verblüffende Attraktionen, an erster Stelle steht dabei die Zufriedenheit beim Erreichen des Basislagers des höchsten Berges der Welt. Andere Attraktionen sind die bedeutenden Aussichten auf das Himalaya Gebirge. Auf dem Everest Treck gibt es viele An- und Abstiege.

    Reiseroute:
    Tag 01: Flug/Fahrt von Kathmandu nach Lukla (2849m) & Treck nach Phakding (2745m)
    Tag 02: Treck nach Namche (3445m)
    Tag 03: Erholungstag in Namche Bazaar (Aufstieg zum Everest View Hotel)
    Tag 04: Treck nach Tengboche (4245m)
    Tag 05: Treck nach Pheriche (4362m)
    Tag 06: Erholungstag in Pheriche
    Tag 07: Treck nach Lobuche (4575m)
    Tag 08: Treck nach Gorakshape (5165m)
    Tag 09: Erholungstag & Besteigung Kalapathar (5545m).
    Tag 10: Treck nach Dingboche (4260m).
    Tag 11: Treck nach Tengboche (4245m)
    Tag 12: Treck nach Namche Bazaar.
    Tag 13: Treck nach Lukla
    Tag 14: Flug von Lukla nach Kathmandu

  6. Bünyan

    Hallo !

    das ist bis jetzt das beste Bericht, was ich gelesen habe, besser als alle Reiserführer.
    Ich fliege im Mai nach Nepal und werde mein trekking alleine machen. Kann man es eigentlich auch in kürzer Zeit schaffen?

    Gruß
    Bünyan

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