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Kreativität braucht mehr Zeit

In den Unternehmen herrscht in der Regel immer großer Zeitdruck – die Gründe dafür sind verschieden und liegen dennoch auf der Hand. Wettbewerbsdruck, Milestones, Deliverables, Incentivierungen, Projektpläne, Abhängigkeiten, Jour Fixes, Steering Commitees, und und und. Sicherlich ist vielen von uns auch klar, dass bei diesem herrschenden Druck Kreativität in der Regel keinen Spielraum mehr bekommen kann. Vielmehr geht es darum den Umfang des laufenden Projektes immer wieder zu verkürzen damit der Zeitplan eingehalten werden kann. Niemand gesteht sich gern ein, ein Release oder einen Launch verschieben zu müssen – wenn ein paar Features fehlen merkt das hingegen niemand. Am Berliner Flughafen hat offensichtlich beides nicht geklappt – passiert halt auch 😉


Aber genau hier ist der Fehler im System von SMOs, die eine bestimmte Größenordnung (ab 50 Mitarbeiter geht es oft los unübersichtlich zu werden) überschritten haben. Wird der Umfang eines Produktes oder eines Projektes immer wieder verkürzt bzw. eingeschränkt, so wird das Fehlen von Features sehr wohl bemerkt – von der Usern. Oder noch schlimmer von den Usern, die sich aufgrund von fehlenden Nutzungsmöglichkeiten und Funktionalitäten dann für das Tool der Konkurrenz entscheiden. Der User merkt sicherlich, wenn er nur die absolut notwendigen Features (nein wir sprechen lieber von Funktionalitäten, da Features irgendwie doch was spielerisches schönes haben) zur Verfügung stehen. Und das wiederum macht unzufrieden – den User, den Mitarbeiter und letztendlich dann auch den Chef.
If you fail, fail fast
Take your Time...Im Scrum-Projektmanagement spricht man davon stets iterativ vorzugehen. Bedeutet wir entwickeln ein MVP (Minimum Valuable Product), welches das Minium an Funktionalitäten aufweist, aber dennoch sinnvoll ist. Dieses Vorgehen hat sich bewährt, da man es nur so schafft möglichst schnell auf dem Markt zu sein und dementsprechend auch User-Feedback zur frühen Verbesserung einzuholen. Fixes, sowieso weiteren Funktionalitäten und Features werden dann in den nächsten Iterationen (man spricht von “Sprints”) nachgeliefert. In einem Startup, wo man sich eben “nur” auf die eine einzige Idee konzentriert und alle kräftig daran mitarbeiten funktioniert das sicherlich auch ganz gut. Ganz im Gegensatz zu vielen größeren Unternehmen. Ist das eine Projekt oder Produkt mit den Kernfunktionalitäten erstmal abgeschlossen, präsentiert ein guter Projektmanager in seiner Abschlusspräsentation schon die nächsten ToDos und Deliverables. Ein noch besserer Projektmanager sogar direkt mit Roadmap und Timeline, wies im Detail weitergeht. Wenns gut läuft applaudiert das ganze Projektteam – “gut gemacht”. Aber soweit oftmals nur die Theorie..
Theorie ungleich Praxis
Ein Folgeprojekt, welches zum Beispiel die restlichen der damals schon bereits beschlossenen Features einer Website bereitstellen soll, pitcht nun für die nächste Periode mit den neuen Projekten. Viele davon sind strategisch von enormer Wichtigkeit und genießen somit schon mal höchste Priorität. Die Projektmanager für die neuen Projekte sind bereits heiss gelaufen und hinterlassen ihre Duftmarken überall, wo sie es für wichtig erachten. Da der Projektmanager des gerade abgeschlossenen Projektes auch super Arbeit geleistet hat, ist dieser natürlich zusätzlich auch schon auf ein weiteres neues Top-Projekt gesetzt worden. Herzlichen Glückwunsch – endlich ein neues Thema – welches wir wieder weghauen können. Alle sind motiviert und können es gar nicht erwarten, dass es endlich losgeht.
Aber was ist eigentlich mit den restlichen Features und Funktionen des “alten” (zu diesem Zeitpunkt, oftmals sogar nur 2-3 Wochen alt) Projektes? Keiner fühlt sich verantwortlich, keiner hat Lust einem abgeschlossenen Projekt so unten rum noch ein paar Features hinterherzuentwickeln. Ein wirkliches Problem, da dies die Wahrscheinlichkeit erhöht, nicht bis zu Ende gedachte Produkte auf dem Markt zu haben, die letztendlich alle Beteiligten unzufrieden stimmen.
Priorisieren, priorisieren, priorisieren
Das Credo, dass man ständig priorisieren muss ist natürlich logisch, richtig und auch nachvollziehbar. Aber der Druck zu Priorisieren in und auf die Unternehmen lässt es halt oft nicht zu, dass man bestehende Dinge einfach noch weiter verbessern muss. Stattdessen geht es immer weiter mit den nächsten Projekten. So geht enorm viel Kreativität verloren, da die Kreativität des Projektes oft nur darin besteht, sich zu überlegen mit welchem Scope-Kürzungen man dennoch die Deadlines einhalten kann. So entsteht in einem guten Projekt zwar ein fertiges Produkt, aber mit geringerem Sex-Appeal als eigentlich geplant. Kein Raum für Spielereien in Form von Features, die gerade bei dem erhöhten Konkurrenz-Druck heutzutage, die Kaufentscheidung des potenziellen Kunden ausmachen können.
Folgendes Video veranschaulicht wunderbar, wie Zeitdruck die Kreativität behindern kann.

One thought on “Kreativität braucht mehr Zeit

  1. M&M

    Deine Ausführungen sind vollkommen richtig. Ab einer gewissen Größe, geht es nicht ohne Priorisierung und klare Prozessmuster. Jedoch liegt es an der Unternehmensführung, dieses Statium im “Unternehmens-Leben” zu erkennen und entsprechenden Prozessmustern Platz zu schaffen, in denen Kreativität auf der einen und Beharrlichkeit (Entwicklungen auch nach Release zu finalisieren) auf der anderen Seite gelebt und realisiert werden. Viele Menschen an einem Ort entwickeln eine eigene Dynamik… viele Alpha-Tiere noch viel mehr… Daraus die richtigen und nicht starren Rahmenbedingungen abzuleiten ist nicht einfach… das bedarf Kreativität und Zeit – ironischer Weise beißt sich hier dann die Katze in den Schwanz 😉

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