VonUnterwegsGesendet.de

Mount Kinabalu Besteigung

Vorweg, die Mount Kinabalu war das einzige was ich mir wirklich bei unserem knapp 4-wöchigen Malaysia Urlaub vorgenommen hatte, da ich eigentlich nur gutes davon gehört habe. Und ich kann jedem nur empfehlen – macht es – Klettert den über 4000 Meter hohen Gipfel auf Borneo hoch und ihr werdet den Stress der Organisation und auch das Auf- bzw. Abstiegs nicht bereuen. Denn am Gipfel erwartet Euch morgens um 3 Uhr der wohl schönste Sonnenaufgang über den Tropenwäldern der grünen Insel Borneo – versprochen.Los geht´s in der schönen kleinen Stadt Kota Kinabalu (KK) die auch als das Tor zu Malaysias Teilstaat Sabah im Norden der Insel Borneo gilt und zudem auch der Startpunkt für allerhand Aktivitäten ist. So zum Beispiel die Besteigung des Mount Kinabalu.
Mount Kinabalu Summit Planung
Vermutlich seid ihr gerade dabei Euren Aufstieg auf den Berg zu planen bzw. Euch zu informieren wie das funktioniert und so weiter…Wir sagen Euch es ist gar nicht so einfach, denn die Reiseberichte die man so findet bzw. auch der Lonely Planet Borneo helfen einem nicht wirklich weiter, da sie irgendwie nur widersprüchliche Aussagen beinhalten. Wir haben das folgendermaßen gemacht:

  • Wir sind in Kota Kinabalu zum Tourist-Center gegangen, den man relativ leicht finden kann. Dort wurden wir dann zu einem Reisebüro ca. 500 Meter weiter geschickt. Dies befindet sich in einem komischen Komplex, der in der untersten Etage nur Reisebüros für die verschiedensten Aktivitäten beinhaltet. Das Reisebüro bietet übrigens angeblich die Besteigung des Mount Kinabalus exklusiv an.
  • Also buchten wir beim Reisebüro für ca. 200 Euro pro Person für die kompletten 2 Tage den Trip. Dies beinhaltet ein Shuttle-Service (Hin- und zurück) von unserem Hotel in KK zum Kinabalu Nationalpark, alle Gebühren (Nationalpark, Besteigung, etc.), den Guide, eine Übernachtung (inklusive Abendessen und Frühstück) auf der Hütte Laban Rata und noch eine Versicherung glaube ich.

Wir haben gehört, dass man den Trip auch auf eigene Faust buchen und organisieren kann, dies jedoch sehr häufig auch daneben geht. Grund dafür ist vor allem der, dass die Schlafplätze auf der Hütte Laban Rata nur für 200 Personen ausgelegt sind und bevorzugt von Reisebüros gebucht werden. Wir haben auch einige Mit-Kletterer getroffen, die tatsächlich 2-3 Tage im Hotel beim Timpohon Gate auf 1.800 Meter Höhe auf die Freigabe gewartet haben. Dafür hatten wir natürlich keine Zeit und ehrlich gesagt auch keine Lust, denn im Kinabalu Nationalpark gibt es zwar auch allerhand zu sehen, aber das Highlight ist die Besteigung des Berges und dort gibt es zudem auch alle Pflanzen etc. zu bestaunen, die es auch im Nationalpark zu sehen gibt.
Timpohan Gate

Wir wurden also morgens um 7 Uhr am Hotel abgeholt und machten uns auf den Weg zum Kinabalu Nationalpark am Fusse des Mt. Kinabalu. DAs Timpohan Gate auf gut 1.800 Meter ist der allgemeine Startpunkt für die Besteigung. Dort trifft man alle Gruppen die sich auf den Weg machen und erhält die Verpflegungspakete sowie auch einen Huide zugeteilt. Der Guide ist vorgeschrieben, obwohl man ehrlich gesagt, bei normalem Wetter auch ohne den Guide auskommen würde. Nun denn.

Beisteigung des Mount Kinabalu – es geht los.

Unser Guide war eine ca. 150 Meter kleine Frau aus der Umgebung, die schon seit 13 Jahren 3 mal die Woche den Berg besteigt. Wir beide sind eigentlich relativ sportlich und dachten  – na gut. Aber wir mussten schon nach gut einer Stunde Aufstieg (und es war noch nicht steil) feststellen, dass die Frau wahrscheinlich einen 30.000 Meter hohen Berg in immer dem gleichen Tempo besteigen könnte. “Jessy take your time. You will need your energy tomorrow.” war der Satz, den meine Freundin mindestens alle 10 Minuten zu hören bekam. Denn wir waren am Anfang natürlich hoch motiviert und sind los gestürmt.

Der Weg ist ein seh steiler Trampelpfad, der zum Großteil aus sehr hohen Naturstufen, durch Steine oder Wurzeln befestigt, besteht. Ganz ehrlich sehr beschwerlich. Wir haben den Fehler gemacht unser Proviant und unsere Klamotten in einen großen Rucksack zu packen, statt ihn in zwei kleinere aufzuteilen. Gut 10 Kilo auf dem Rücken und 3 Stunden weiter, dachte ich mir kurz, ala Bruce Willis: “Lasst mich zurück und rettet die Welt doch allein”. Naja es musste weitergehen.

Gut jede Stunde gibt es kleine Unterstellhütten mit Trinkwassertanks, wo man kurz pausieren oder sich bei Regen unterstellen kann. Hier lassen sich die Wasserflaschen wieder auffüllen oder auch schnell ein Sandwich verdrücken. Lustig sind auch immer wieder die Kletterer die einem entgegenkommen und somit wahrscheinlich den Aufstieg im Morgengrauen schon geschafft haben. Ganz ehrlich nur die wenigstens sehen wirklich glücklich aus, da es wirklich saumäßig anstregend ist. Aber man ist Sportler und denkt sich natürlich auch, ok – wenn der es schafft, dann schaffen wir das natürlich erst recht. Wir sollten glücklicherweise recht behalten.

Laban Rata

Nach gut 5,5 Stunde waren wir dann endlich auf der Hütte Laban Rata, mittlerweile durch einen einstündigen Schauer relativ nass, auf mehr als 3.000 Meter angekommen. Hier war die Luft schon um einiges dünner was man tatsächlich bemerken konnte. Natürlich war es auch um einiges kälter. Wir sind beim Timpohan Gate bei gut 28 Grad gestartet und hatten nachmittags um 16 Uhr auf Laban Rata so ca. 8-9 Grad – also schon frisch.

Laban Rata liegt eigentlich unmittelbar unterhalb der Vegetationsgrenze, so dass man vom Balkon sehr schön die Granitfelsen bis zur nächsten Spitze hochschauen kann, um zu sehen was einen Morgen früh erwartet. Zum Gipfel kann man leider nicht schauen. Der Aufenhaltsraum auf Laban Rata gleicht einer Kantine. Die 200 Gäste essen und trinken und fallen in der Regel danach sofort ins Bett. So haben wir es auch gemacht. Ich habe mir am Kiosk sogar für gut 6 Euro ein Bier gekauft, welches ich noch nicht mal ausgetrunken habe, da ich zu platt war. Marathon, Triathlon – ein Witz – ich sags Euch. Wir waren in einem winzigen 6-Mann Zimmer im Hochbett untergebracht und schliefen relativ schlecht. Aber es sollte ja um 2 schon wieder mit dem Frühstück weitergehen.

Die letzten 3 Stunden bis zum Gipfel

Erstaunlich fit starten wir mit unserem Guide um 3 Uhr morgens mit Kopflampe und Handschuhen bewaffnet zum Aufstieg der letzten 1.000 Meter. Das Gepäck konnte man glücklicherweise auf der Hütte lassen, so dass wir wirklich nur das nötigste dabei hatten – warme Klamotten. Mütze, Windbreaker, Handtusche und zumindest gute Turnschuhe mit Profil sind Pflicht.

3 Stunde brauchten wir um die letzten 1.000 Meter auf den Granitfelsen hochzuklettern. Viele Felsplatten sind mit einem langen Seil ausgestattet an dem man sich wie an einer Reling ganz gut festhalten kann. Da es natürlich hier im Regenwald öfters regnen kann, sind die Felsplatten an vielen Stellen sehr nass, so dass es auch schon mal sehr rutschig sein kann. Das ist schon irgendwie gefährlich dachten wir uns. Vor allem, weil viele Asiaten (mit uns war eine sehr junge Soldatentruppe Malaysias unterwegs) eigentlich nur mit Schlappen, Flip Flops oder alten Turnschuhen unterwegs waren.

Mount Kinabalu Sonnenaufgang
So gegen halb 6 Uhr morgens kamen wir endlich am Fuss des letzten richtigen Anstiegs zur Spitze des höchsten Bergs Süd-Ost Asiens an. Doch die hatten es in sich, denn man musste jetzt auf einmal richtig klettern. Spätestens hier mussten auch die Sportler unter uns, die zuvor den Griff zum Seil bewusst vermieden hatten, endlich zugreifen, denn sonst ist der Aufstieg wohl kaum möglich. Hier ist es zudem auch sehr eng – eine Art Flaschenhals. Denn hier müssen alle hoch und runter. Wir hatten zum Glück beim Aufstieg über die großen Granitplatten viele Kletterer überholt, so dass wir beim Aufstieg nicht so oft überholen bzw. ausweichen mussten. Beim Abstieg sah es dann schon anders aus, da nun der Großteil, der mit uns gestarteten Leute auch nach oben wollte.

Als wir dann um kurz vor 6 Uhr morgens auf der Spizte des Mount Kinabalus angekommen waren, gingen wir nicht direkt ganz nach oben – da dort ein dichtes Gedränge herrschte – sondern suchten uns eine kleine möglichst windstille Nische ca. 20 Meter weiter unten. Am Horizent erkannte man schon eine leicht rötliche Färbung. Im Minutentakt stieg nun die orange-gelb farbene Sonne empor und veränderte die Lichtverhältnisse in unglaublicher Weise. Ein unglaubliches Erlebnis über das wir viel gelesen hatten, aber niemals geglaubt hätten, dass es so beeindruckend sein könnte.

Da es auf der Spitze -1 Grad Celcius kalt war und uns ein wirklich dreckiger Wind um die Ohren blies, traten wir auch nach 20 Minuten und 50 Fotos mehr auf der Digitalkamera den Rückzug an. Obwohl man eigentlich runter schneller sein sollte als hoch, brauchten wir mit drei Stunden genauso lang wie in der Nacht beim Aufstieg. Wir waren ehrlich gesagt ziemlich platt und haben einfach mehrere Pausen gemacht und jede Menge Fotos. Auf Laban Rata endlich wieder angekommen, gab es dann nochmal eine Kleinigkeit zu Essen.

Mount Kinabalu Abstieg

Man hat es schon oft gehört von erfahrenen Kletterern und Wanderern, dass es runter oftmals anstrengender ist als hoch. Wir brauchten ganze 5 Stunden zurück zum Timporna Gate, weil sich einfach jeder Muskel bemerkbar machte. Vor allem die großen Stufen und der riesige Rucksack liessen jeden Schritt schmerzhafter werden. Obwohl wir traumhaftes Wetter und eine traumhafte Sicht über Borneo hatten, wollten wir eigentlich nur noch runter und ins Hotel. Dennoch haben wir sehr tolle Fotos von der tollen Fauna und Borneo von oben gemacht, da wir ja beim Aufstieg nicht wirklich viel sehen konnten.

Das inkludierte Mittagessen liessen wir sogar verstreichen, da unser Schuttle schon auf uns wartete. Unser Guide nahm die Gutscheine fürs Essen dankend an und freute sich auch wirklich herzlich über Trinkgeld 😉

Im Hotel war nur noch Duschen und Schlafen angesagt, bevor es am nächsten Tag auf die kleine Insel Pulau Sulug gehen sollte. Unser Fazit – ein unvergessliches Ereignis, aber man sollte eine gute Ausrüstung und auch ein gewisses Maß an Ergeiz und Sportlichkeit mitbringen, sonst könnte es Quälerei werden und das möchte man in der Regel ja nicht wirklich.

Hier geht´s direkt zurück zum Leitartikel “Malaysia Reisebericht“…

6 thoughts on “Mount Kinabalu Besteigung

  1. Bernd

    Danke für Euren tollen und ehrlichen Bericht! Ich werde in 3 Monaten versuchen, den Kinabalu zu besteigen. Mit 60 (und nachlassenden Kräften…) möchte ich mir dabei häufiger eine Verschnaufpause genehmigen. Um mich nicht einem Gruppentempo anpassen zu müssen, würde ich ganz gern einen Guide nur für mich haben. War Euer Guide für mehrere Personen gebucht? Kostet “solo” mehr? Und: Kann man vielleicht schon bei Timpohan Gate übernachten, so dass ich den Aufstieg nach Laban Rata noch lockerer angehen kann?
    Nochmals Dank an Euch und allzeit buen Camino, Bernd

  2. Hendrik Post author

    Hallo Bernd,
    mach Dir keine Sorgen, auch mit 60 Jahren wirst Du den Aufstieg schaffen. Wir hatten ebenfalls, zu zweit, einen exklusiven Guide, da wir nicht in einer Grupper aufsteigen wollten. Das ist also kein Problem. Am Timpohan Gate konnte man meines Wissens auch übernachten. Allerdings fanden wir es bequemer in unserem Hotel in Kota Kinabalu zu schlafen und morgens einfach die 1,5 Stündchen dort hinzufahren. Viel Spaß und viel Erfolg..und lass mal von dir hören, wie es war…

  3. Hendrik Kaufmann

    Hallo,

    ich würde gerne den Aufstieg an einem Tag machen, ich habe leider zu spät von dem Berg erfahren und muss kurzfristig von Kuala Lumpur abfliegen. Würde gerne am Tag nach Ankunft in Kota Kinabalu den Berg besteigen und wieder runter. Ist es möglich ohne Führer zu gehen oder ist es zumindest möglich einen Führer zu finden der das macht?

    Ich bin Bergsteiger und weiß worauf ich mich einlasse 🙂

    VG
    Hendrik

  4. Hendrik Post author

    Man kann definitiv den Mount Kinabalu auch ohne Führer besteigen, von der Schwierigkeit her. Aber ob die das in dem Camp erlauben, bezweifle ich. Die Kohlen lassen die sich garantiert nicht durch die Lappen gehen.

  5. Nils

    Leider kann man die Besteigung nicht ohne Guide machen. Von der Schwierigkeit ist es zu schaffen.. ein tolles Erlebnis war es trotzdem.

    Wir waren jetzt erst kürzlich auf dem Low Peak und hatten einen tollen Sonnenaufgang im Januar 2016. Link zu den Fotos unter Website…

    Grüße
    Nils

  6. Susanne

    Hallo Hendrik,
    kannst Du uns sagen wie das Reisebüro heißt, bei dem ihr die Tour gebucht habt?
    Ist es ausreichend, wenn man die Tour erst ein oder zwei Tage vorher in Kota Kinabalu bucht? Für uns ist es ein Risiko, wenn dann vielleicht doch nichts mehr frei ist, da wir nicht so viel Zeit vor Ort haben. Wir suchen daher gerade eine günstige Möglichkeit, die Tour schon eher zu buchen.
    Viele Grüße
    Susanne

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *